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Thema Paarhaltung

hat man einmal den ersten Großen Schweizer im Haus und das Zusammenleben klappt nach Überstehen der etwas schwierigen Junghundphase prima, beschleicht einem mitunter der Gedanke, dass ein zweiter Schweizer gar keine so schlechte Idee wäre. Auch wir sind der Verlockung erlegen und haben mittlerweile alle Varianten erlebt: Rüde/ Rüde, Rüde/ Hündin und aktuell zwei Hündinnen. Einige Zähne habe ich mir allerdings ganz schnell ziehen müssen: Ein zweiter Schweizer läuft erstens nicht nebenher, zweitens wird er nicht mal so eben vom älteren miterzogen und drittens macht ein Paar nicht nur doppelt soviel Arbeit, sondern dreimal soviel. Weil nicht nur jeder von ihnen die altersbezogene Aufmerksamkeit braucht und auch einfordert, sondern weil das Paar als solches im Zusammenleben auch noch mal spezielle Aufmerksamkeit benötigt. Wir haben Nummer 2 zu einer Zeit dazu geholt, als Nummer 1 schon durch alle Flegelphasen durch war und sich zu einem in sich ruhenden Hund entwickelt hatte, auf den wir uns (fast immer) verlassen konnten. Wir sind keine Spezialisten der verschiedensten Trainingsansätze und die Hundeschule endete bei uns meist nach der Junghundausbildung, denn wir waren es zufrieden, wenn der Hund mit uns im Alltag und den wenigen, aber für uns wichtigen Regeln, die wir aufstellen, glücklich und entspannt leben konnte.  Aber ich schicke es gleich voraus: Wir haben bis heute Glück gehabt mit gut funktionierenden Paare, egal in welcher Konstellation, und sind dankbar dafür. Es ist keine Selbstverständlichkeit und wenn es zu Aggressionen zwischen den Hunden kommt, ist nichts mehr wie vorher und der Weg daraus sehr schwierig (und manchmal leider auch unmöglich).

Interdog household aggression

Nach einer Studie zu ''Interdog household aggression'' (Quelle: JAVMA Vol 238, No. 6, March 15, 2011) waren Paare, zwischen denen es zu Aggressionen kam, zu 79% gleichen Geschlechts, 68% Hündinnen in gemischt oder gleichgeschlechtlicher Paarung. Der Unruhestifter war zu 74% der jüngere von beiden oder der Neuzugang. Auslöser waren die Aufmerksamkeit des Besitzers, Nahrung, Aufregung oder gefundene Gegenstände. Einige der Hunde in dieser Untersuchung hatten eine Vorgeschichte; sei es, dass sie erst mit der 12. Lebenswoche in den Haushalt kamen (39%) oder aus einem Tierheim/ -asyl (33%). Oftmals begannen die Probleme durch geänderte Lebensumstände: der ältere Hunde wurde krank, der jüngere wurde erwachsen. Die Situation verschlechterte sich ganz besonders dann, wenn der Aggressor der jüngere der zwei Hunde war, einer der Besitzer gebissen wurde oder der Besitzer nicht voraussagen konnte, wann die Aggression das nächste Mal auftritt.

Die Studie zeigt weiter auf, welche Methoden mit welcher Erfolgsquote zur Lösung des Konflikts angewandt wurden. Damit wird gleichzeitig deutlich, dass Paarhaltung kein Selbstläufer ist, sondern einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit bedarf. Wie interagiere ich selbst mit dem Paar, sind meine Signale eindeutig und verständlich, ist die Interaktion zwischen dem Paar eindeutig und konfliktlos. Die Beziehungen sind im Fluss und können sich durch äußere Umstände ändern.

Ein paar Ansätze, die bei uns bislang gut funktioniert haben, möchte ich gern hier anführen: Den Grundstein legen Sie damit, dass sie einen bereits gut funktionierenden, gut sozialisierten und charakterlich einwandfreien Hund schon im Haus haben. Die Nummer 2 dazu suchen sie mit Bedacht aus. Sie kennen idealerweise die Elterntiere und ihren Charakter und der Züchter unterstützt sie bei der Auswahl des Welpen.

Senior support program

Nun gibt es verschiedene Methoden, die Rangordnung im Haushalt von Anfang an festzulegen. Wir haben uns bislang an das sog. ''senior support program'' gehalten und dem älteren Hund (bzw. demjenigen, der länger im Haushalt lebt) die erste Stelle eingeräumt (er bekommt als erster Zugang zum Futter, darf als erster aus dem Auto steigen usw.). Möglich ist, dass der Senior irgendwann seine Stellung aufgeben möchte, weil er schwächer wird oder es für nicht so wichtig hält. Dies zu erkennen, ist dann ihre Aufgabe. Bei uns war ein Wechsel nicht nötig.

In der Studie wurde berichtet, dass das senior support program bei 67% der Problemfälle die Situation verbessert hat.

Owner attention & fight eliciting-triggers

Zum Stichwort ''owner attention'' gibt es die klassische Konfliktsituation, wenn der Besitzer nach Hause kommt und seine Hunde ihn im Flur oder in der Tür begrüßen. Der Senior wird zuerst begrüßt, allzu heftige Willkommensbekundungen werden aber nicht geduldet. Unsere Hausregel ist einfach, aber strikt: Kein Spielzeug (''fight-eliciting triggers'') und kein Raufen im Haus. Spielen und Raufen können sie im Garten (allein schon, um die Verletzungsgefahr zu minimieren, ist uns Gartenboden lieber als die Fliesen im Haus) unter Aufsicht. Wenn sich das Spiel hochschaukelt, wird es unterbrochen. Bringen unsere Hunde vom Garten Äste oder Spielzeug mit, lassen sie diese unaufgefordert an der Tür fallen, bevor sie ins Haus gehen. Unsere Hunde dürfen auf dem Sofa liegen. Aber erst, wenn sie es sich verdient haben. Gibt es Gerangel, fliegen beide aus dem Wohnzimmer. 
 
Wenn sie sich mit dem Gedanken an einen Zweithund tragen, können sie reichlich belohnt werden, soviel ist mal sicher. Aber die Belohnung muss sich erarbeitet werden.

Bolle (noch Jungrüde) und sein Vater auf einer Clubshow

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